“ICH BIN EIN KIND DER REVOLUTION”
HEINRICH HEINE: POET, VISIONÄR, KASSANDRA.
DIE MÄRZREVOLUTION ALS UNVOLLENDETES PROJEKT

Im Frühling 1848 – am 13. März vor 166 Jahren – begann in Wien (und in vielen anderen mitteleuropäischen Ländern) die Märzrevolution: Unter dem Einfluss revolutionärer Umwälzungen in Frankreich, wollte man auch in den österreichischen Kronländern und im Gebiet des Deutschen Bundes politische Gleichberechtigung für alle sozialen Schichten, Gleichberechtigung von Frauen und Männern, persönliche Freiheit ohne staatliche Repression, nationalstaatliche Einheit ohne monarchisches Gottesgnadentum. Für diese Rechte kämpften Intellektuelle, Bürgerliche, Künstlerinnen und Künstler, Arbeiterinnen und Arbeiter solidarisch Seite an Seite. Damals gab es auch die erste Frauendemonstration in Wien – die „Praterschlacht“, wo Frauen gegen Lohnsenkungen demonstrierten: Erdarbeiterinnen, die bei Notstandsbauten beschäftigt waren, wurde der Lohn von 20 auf 15 Kronen pro Tag gekürzt (Männer bekamen für dieselbe Arbeit 25 Kronen). Die „Praterschlacht“ wurde von Nationalgarden und Sicherheitswachen blutig niedergeschlagen und forderte viele Tote und Verletzte. Doch unter dem Eindruck dieser blutig niedergeschlagenen Demonstration wurde der „Erste Wiener demokratische Frauenverein“ gegründet – der erste politische Frauenverein in Österreich, der zum Ziel hatte, für die soziale Gleichberechtigung der Frau und „die Verbreitung der demokratischen Gesinnung in allen weiblichen Kreisen“ zu kämpfen. Unter den Mitgliedern sollten keine Standesunterschiede gelten und Männer waren von der Mitgliedschaft ausgeschlossen.

Der deutsche Schriftsteller, Dichter und Journalist Heinrich Heine unterstützte die Anliegen der Märzrevolution und erkannte gleichzeitig sehr früh die Gefahren, die dabei insbesondere von den Burschenschaften ausgingen: „Da, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen“.

Schon ab 1833 waren Heines Werke in Preußen verboten, ab 1835 dann in allen Ländern des deutschen Bundes. 1844 erschien sein als „Weberlied“ bekannt gewordenes Gedicht in der von Karl Marx herausgegebenen Zeitung „Vorwärts!“ und wurde in einer Auflage von 50.000 Stück als Flugblatt in den Aufstandsgebieten verteilt.

Im düstern Auge keine Träne,
Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:
Deutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten
In Winterskälte und Hungersnöten;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
Den unser Elend nicht konnte erweichen,
Der den letzten Groschen von uns erpreßt
Und uns wie Hunde erschießen läßt -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
Wo nur gedeihen Schmach und Schande,
Wo jede Blume früh geknickt,
Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt -
Wir weben, wir weben!

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,
Wir weben emsig Tag und Nacht -
Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch -
wir weben hinein den dreifachen Fluch -
Wir weben, wir weben!

Die Märzrevolution hat viel in Gang gebracht – doch sie ist bis heute unvollendet. In vielen wesentlichen Bereichen steht die Verwirklichung der Gleichberechtigung noch bevor....Der Kampf geht weiter.

Zur Gleichstellung: Nach den ersten großen Erfolgen in der Emanzipation der Frauen, ist die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern in einigen Bereichen noch nicht eingelöst (z. B. beim Lohn).  Der gleichberechtigte Zugang und die Teilhabe an der Kultur (Bildung, Kunst) für alle Menschen steht ebenso noch bevor.

Zur Natur: Von der Naturschwärmerei der Romantik hin zu einer Achtsamkeit gegenüber Natur und Mitwelt, die auch Proteste und Initiativen gegen internationale Handelsabkommen, durch die Ökosystem gefährdet und soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit untergraben wird, beinhaltet.

Zu Gewaltfreiheit und Respekt: Das friedliche Zusammenleben muss vom Persönlichen (über „Österreicherinnen und Österreicher“ hinaus) auf alle Menschen ausgeweitet werden.

Die zehnte Performance der VÖGB-Reihe „Der Klang der Arbeit“ bringt die Zeit und
die Ideen Heinrich Heines und deren Aktualität für unsere Zeit zum Klingen.
Mit dem Ensemble ATTOSPHERE
Julia Noa Fischer, Gesang
Michael Bruckner-Weinhuber, Gitarre
Matthias Pichler, Bass
Andreas Schreiber, Violine
Angelika Hagen, Texte und Konzept